Ich stehe am Fenster und sehe, wie der Regen gegen die Scheibe klatscht. Seit drei Tagen dasselbe Wetter, und in fünf Stunden kommen die ersten Gäste. Meine Schwiegermutter sitzt am Küchentisch und blättert in der Zeitung, als hätte sie alle Zeit der Welt. Sie hat die Anzeige geschaltet, sie hat den Campingplatz geerbt, und ich darf ihn führen — so haben wir das vor vier Jahren besprochen, als mein Mann noch lebte.
Jetzt lebt er nicht mehr. Und meine Schwiegermutter tut so, als wäre ich nur die Angestellte, die zufällig auch noch im Wohnwagen neben der Rezeption schläft.
„Die Sanitäranlagen sind nicht sauber“, sagt sie, ohne von der Zeitung aufzusehen. Ich sage nichts. Ich weiß, was sie hören will: dass ich es sofort erledige. Aber ich habe gestern bis elf Uhr abends die Wasserpumpen repariert, weil der Elektriker aus Korbach nicht gekommen ist und der Schaden dreihundertachtzig Euro gekostet hätte.
„Hast du gehört?“, fragt sie.
„Ich mache es nach dem Frühstück.“
Sie legt die Zeitung hin. „Nach dem Frühstück sind die ersten Wohnmobile schon da. Willst du, dass die Leute wieder im Internet schreiben, dass es hier dreckig ist? Eine einzige schlechte Bewertung, und du kannst den Platz für die Saison vergessen.“
Die Saison ist von Mai bis Oktober. Wir sind im Juni. Ich habe dreitausendsechshundert Euro Rücklagen, und die Saison trägt den Rest des Jahres. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass sie mit mir redet, als wäre ich sechzehn und hätte den Schlüssel zur Rezeption nur geliehen.
Mein Mann wäre heute vierzig geworden. Ich habe darum gebeten, heute frei zu haben, nur diesen einen Tag. Sie hat genickt, aber ihre Augen sind über mich hinweggegangen, als wäre ich die Regenrinne, die sie ans Grundstück erinnert, das ihr Vater geopfert hat.
Ich ziehe die Gummistiefel an. Am Tor hängt das Schild mit den Preisen: dreißig Euro pro Nacht, sieben Euro für Zelte, Frühstück gibt es nur in der Hauptsaison. Mein Mann hat es mit der Stichsäge ausgeschnitten, ich habe die Buchstaben nachgemalt. Das Schild hängt schief. Seit seiner Beerdigung habe ich es nicht gerade gerückt.
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Am Nachmittag kommt der Brief. Er ist an meine Schwiegermutter adressiert, aber ich erkenne das blaue Wasserzeichen vom Amtsgericht in Kassel, und ich mache ihn auf. Sie hat das Grundstück überschreiben lassen. Damals, vor vier Jahren, als mein Mann krank wurde und wir dachten, der Platz gehört zur Familie. Jetzt steht in dem Schreiben, dass sie eine Hypothek aufgenommen hat. Siebentausendvierhundert Euro, zur Absicherung eines Privatkredits. Der Vertrag geht an einen Autohändler aus Frankenberg, der ihr schon zweimal einen Wagen verkauft hat.
Sie will nicht, dass ich das sehe. Sie hat den Brief an die Adresse ihrer Schwester in Bielefeld schicken lassen, aber ihre Schwester hat ihn weitergeschickt, weil sie dachte, es ginge um die Wasserrechnung.
Ich lege den Brief unters Telefon im Wohnzimmer. Der Regen hört auf. Auf dem See ziehen ein paar Boote ihre Bahnen, und zwischen den Bäumen sehe ich die ersten Autos der Pfingsturlauber. Beide Wochen im Voraus ausgebucht.
Ich sollte jetzt die Brötchen bestellen. Die Sanitäranlagen prüfen. Den Müll rausstellen. Meine Schwiegermutter steht unter der alten Kastanie, dem einzigen Baum, den ihr Vater gepflanzt hat, als der Campingplatz noch ein Acker war. Sie telefoniert. Sie hält den Ellenbogen mit der anderen Hand, und das hat sie auch getan, als damals die Nachricht aus dem Krankenhaus kam, dass mein Mann gefunden worden war.
Ich will nicht, dass sie so dasteht. Aber ich gehe auch nicht zu ihr. Ich nehme den Eimer, den Putzlappen, und ich gehe zu den Sanitäranlagen. Ich putze nicht, weil sie es gesagt hat. Ich putze, weil die Pfingsturlauber nichts dafür können.
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Am Abend sitzen wir im Wohnzimmer. Sie hat den Brief gefunden. Er liegt auf dem Tisch, daneben eine Tasse Tee, den sie nicht angerührt hat.
„Du hast das nicht zu öffnen“, sagt sie.
„Ich habe gedacht, es ist die Wasserrechnung.“
„Das mit dem Kredit geht dich nichts an.“
Das Wort Kredit. Sie spricht es aus wie etwas, das ich nicht verstehen kann. Als hätte sie ein Pfand auf mich genommen, das sie jetzt zurückholt.
„Der Platz gehörte Dieter“, sagt sie. „Und Dieter hat ihn von mir bekommen, weil er mein Sohn war. Nicht, weil du seine Frau warst.“
Ich sitze da, während sie die Geschichte erzählt, die sie schon hundertmal erzählt hat. Wie ihr Vater in den Fünfzigern das Land gekauft hat, um Obstbäume anzupflanzen. Wie der Campingplatz in den Achtzigern entstand, als die Obstpreise fielen. Wie Dieter als Kind im See schwimmen gelernt hat, und wie er mit achtzehn den Trecker auf den Hänger lud, als der Sturm die alten Apfelbäume knickte. Das sind ihre Sätze. Ich kenne sie wie die Rillen in der Holzbank vor der Rezeption.
Aber dann sagt sie etwas Neues: „Ich habe die Hypothek aufgenommen, weil du mich in dem Glauben gelassen hast, dass du hier weitermachst, wenn ich nicht mehr bin. Jetzt weiß ich, wie du denkst. Du denkst, dass es deins ist, weil du neben meinem Sohn geschlafen hast.“
Ich stehe auf. Ich gehe in die Küche. Hinter mir höre ich die Uhr schlagen, die mein Mann von einem Flohmarkt in Treysa mitgebracht hat. Elf Uhr.
Ich nehme den Karton, in dem die Verträge liegen. Ich nehme den Hefter mit den Buchungen, die Kassenbelege, den Zettel vom Landratsamt über die Abwasserentwässerung. Ich lege alles auf den Tisch vor ihr.
„Dann zahlst du auch die Rechnung“, sage ich. „Dreihundertachtzig Euro. Der Elektriker aus Korbach ist nicht gekommen. Ich habe die Pumpe selbst repariert. Du bekommst die Rechnung morgen.“
Sie sieht mich an, und da ist Danke drin, mit dem sie nicht einverstanden ist. Ihre Lippen sind aufeinandergepresst, als müsste sie das Wort wieder runterschlucken.
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Die Nacht ist kurz. Ich schlafe im Wohnwagen, mit dem Geruch von nasser Kleidung und dem Motorengeräusch der Kühlung, das ich nicht mehr höre, wenn ich müde genug bin. Um halb sechs klingelt mein Wecker. Ich stehe auf, ziehe die Arbeitshose an, die mir zu weit ist, weil ich im letzten Jahr acht Kilo verloren habe. Das Frühstück für die Gäste. Die Wohnmobile, die um sieben an der Schranke warten. In der Küche hängt noch die Karte von Deutschland, auf der mein Mann alle Plätze markiert hat, die wir uns ansehen wollten, wenn die Saison vorbei ist. Von Mai bis Oktober wollte er fahren, wenn die Saison vorbei ist. Dann wurde er krank, und alle Punkte blieben rot.
Meine Schwiegermutter ist auch wach. Sie steht vor der Rezeption und zieht die Plane von den Liegen. Der Hund vom Nachbargrundstück kommt herüber und schnuppert an der Mülltonne, in der noch die Reste von gestern liegen.
Ich sage nichts. Ich schalte das Licht über dem Tresen an, lege die Anmeldelisten aus, stelle die Karte mit den besten Radwegen an die Wand. Ein Mann aus Paderborn will eine Stellplatzbestätigung für seinen Arbeitgeber. Eine Frau fragt, ob es hier frische Brötchen gibt. Es gibt keine, weil die Bäckerei in Waldeck am Feiertag geschlossen hat. Ich sage ihr, wo sie in Korbach einkaufen kann, und sie füllt das Formular aus, während ihre Kinder auf dem Spielplatz streiten.
Am frühen Nachmittag kommt der Autohändler aus Frankenberg vorbei. Er fährt einen schwarzen BMW, den er bis vor die Rezeption setzt. Meine Schwiegermutter steht auf, und ich sehe, wie sie sich den Rock glattstreicht. Das hat sie in den vier Jahren, die ich sie kenne, genau dreimal gemacht: bei der Hochzeit von Dieters Cousine, bei der Goldhochzeit ihrer Nachbarin in Bad Wildungen und jetzt.
Ich kenne diesen Autohändler. Er kam schon, als Dieter noch lebte, um über ein Cabriolet zu sprechen, das man für Sonntagsausflüge nutzen könnte. Er hat immer mit beiden Händen auf den Außenspiegel gezeigt, wenn er einen Wagen anpries.
Sie setzen sich in den Biergarten, den mein Mann gebaut hat, zwischen die Tische und die Bänke, die wir im zweiten Jahr weiß gestrichen haben. Ich kann nicht hören, was sie besprechen. Aber ich sehe, dass er ein Dokument aus der Innentasche zieht, und ich sehe, dass sie es liest, als stünde da etwas anderes als das, was ich gelesen habe.
Dann winkt er zu mir herüber. Einmal, mit dem Zeigefinger, wie man es bei der Bedienung macht.
Ich gehe hinüber. Er lächelt, und ich denke an die Stelle am See, wo die Kinder im Frühjahr Kaulquappen gefangen haben, und daran, dass genau dort im August das Wasser immer trüb ist.
„Frau Schröder“, sagt er und hält mir das Papier hin, „ich wollte Ihnen das persönlich übergeben. Es betrifft die Restschuld und die Fälligkeit.“
Ich nehme das Papier. Siebentausendvierhundert Euro, zahlbar in dreiundzwanzig Monatsraten, beginnend am ersten Juli.
Ich sehe meine Schwiegermutter an. Ich frage: „Hast du das unterschrieben?“
Sie schaut auf die Tischplatte, wo ein Stück Kuchen liegt, das ihr die Bedienung gebracht hat, und das ich bezahlen werde.
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Am nächsten Morgen fahre ich mit dem Rad zum Landratsamt in Korbach. Ich brauche siebenundzwanzig Minuten. In der Bürgersprechstunde sitzt eine Frau mit dunklen Augenringen, die ihre Teetasse zweimal umrührt, bevor sie mich fragt, was ich brauche.
Ich sage: „Ich möchte wissen, wie eine Grundschuld gelöscht wird, wenn die Hypothek auf einem Grundstück lastet, das nicht mehr im Grundbuch der Familie steht.“
Sie nimmt den Zettel, den ich ihr mitgebracht habe. Sie liest. Dann sagt sie: „Da treffen Sie sich besser mit einem Notar. Aber ich sage Ihnen vorweg: Wenn die Eigentümerin den Kredit aufgenommen hat, dann haftet sie persönlich. Und wenn Sie belegen können, dass Sie Ausgaben für das Grundstück hatten, können Sie einen Ausgleich verlangen. Bis zur Höhe der Aufwendungen, und nur sofern es dafür Absprachen gab, die über ein gewöhnliches Beschäftigungsverhältnis hinausgehen.“
Ich schreibe das auf. Auf einen Zettel, auf dessen Rückseite noch die Telefonnummer von einem Kanuverleih steht, bei dem mein Mann einmal ein Ersatzteil bestellt hat.
—
Zwei Wochen später. Die Saison läuft, der Platz ist so voll wie seit acht Jahren nicht, weil eine Jugendgruppe aus Holland vierzehn Zelte aufgeschlagen hat und die Leute aus dem Dorf zum Seefest kommen. Meine Schwiegermutter bedient an der Rezeption, wenn ich die Abrechnungen mache, und wir reden über Brötchen, Toilettenpapier, die defekte Klingel am Eingangstor. Wir reden nicht über den Kredit.
Am Morgen des vierzehnten Juli nimmt sie das Auto, um in Frankenberg einzukaufen. Ich weiß, dass sie abends zurückkommt, weil sie den Hühnern von nebenan etwas mitbringen will. Der Nachbar, dessen Hund immer an unserer Mülltonne steht, hat ihr davon erzählt, dass seine Hühner mehr Eier legen, seit er ihnen Haferflocken gibt.
Sie ist noch nicht weg, da nehme ich die Kiste, die ich seit Monaten unter dem Bett stehen habe. Meine Unterlagen: Gehaltsabrechnungen aus dem Café in Bad Wildungen, wo ich die ganzen Jahre gearbeitet habe, bis Dieter den Platz übernahm. Die Kontoauszüge, aus denen hervorgeht, dass ich die Werkstattkosten für den Trecker und die Boote bezahlt habe. Und der Brief von der Bank, in dem steht, dass mein Dispokredit bei minus zweitausendvierhundert Euro liegt und erst im Oktober gesperrt wird, wenn ich nicht einzahle.
Ich lege alles in einen braunen Umschlag. Ich schreibe darauf: *An die Landesbank, Grundstücksabteilung, Korbach*. Dann fahre ich mit dem Rad zum Postkasten am Dorfanger, und ich werfe den Umschlag ein. Der Deckel schlägt zu, so laut, dass die Tauben auf dem Dach gegenüber auffliegen.
Eine Woche später ruft die Bank an. Meine Schwiegermutter hebt ab. Sie steht in der Küche, hält den Hörer so fest, dass ihre Knöchel weiß sind, und sagt in das Telefon: „Nein, mit mir haben Sie nichts zu bereden. Der Platz bleibt, wie er ist.“
Dann legt sie auf. Sie legt nicht auf, dass es knallt, sondern so, wie man ein Buch zuschlägt, in dem man gelesen hat, wie die Geschichte ausgeht.
Um neunzehn Uhr fährt der Autohändler vom Hof. Er war in der Wohnung meiner Schwiegermutter, im vorderen Zimmer, wo die Fenster zur Straße zeigen. Ich habe von unten gesehen, wie sie auf dem Sofa saß und der Autohändler stand, die Ärmel hochgekrempelt, als wollte er die Stoßstange wechseln.
Als er weg ist, setzt sie sich zu mir an den Campingplatztisch, unter der Kastanie, wo die Mücken um die Lampe fliegen.
„Ich habe das mit der Hypothek für dich gemacht“, sagt sie. „Damit du etwas in der Hand hast, wenn ich nicht mehr bin. Damit du nicht von meinen Neffen abhängig wirst, die den Platz verkaufen wollen.“
Sie sagt das leise, aber ich höre es, und zum ersten Mal seit dem Tod ihres Sohnes ist mir klar, dass sie nicht den Platz behalten will. Sie will, dass er unter den Menschen bleibt, die dort waren, als noch Obstbäume auf der Wiese standen.
Und es ist fast zu viel, dieses Geständnis. Denn neben der Mülltonne bellt der Hund, und im Fenster der Rezeption spiegelt sich das Licht der Einfahrt, und irgendwo auf dem See ruft jemand von einem Boot zu einem anderen.
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Am letzten Augustwochenende bin ich allein im Wohnwagen. Meine Schwiegermutter ist mit dem Bus nach Bielefeld gefahren, zu ihrer Schwester, die im Pflegeheim liegt. Die Holland-Jugendgruppe ist abgereist, die Wohnmobile stehen in zwei langen Reihen, und auf Platz vierzehn hat eine Familie aus Hannover ein Windspiel aufgehängt, das bei jedem Windstoß anschlägt.
Ich sitze am Bett und halte die Mappe in den Händen, die ich vom Notar bekommen habe. Es ist keine Mappe, sondern eine dünne Klarsichthülle, in der zwei Blätter stecken: die Aufstellung meiner Zahlungen für den Platz seit Mai vor vier Jahren, und die Kopie des Darlehensvertrags.
Ich lege die Blätter aufs Bett. Ich nehme die Schere aus der Küchenschublade, die Dieter immer für die Zeltleinen benutzt hat, und ich schneide die Kopie in drei Teile.
Am Ende klebe ich die Teile mit Tesafilm an die Innenseite der Schranktür, hinter der die Toilettenpapierrollen liegen. Ich weiß nicht, ob ich es für mich tue oder für sie. Ich tue es, weil jemand es tun muss. Weil irgendetwas bleiben muss, das die Wahrheit belegt: dass zwischen zwei Menschen kein Stück Papier gehört, es sei denn, sie haben es selbst geschrieben.
Dann ziehe ich die Gummistiefel an, nehme den Eimer, den Putzlappen, und gehe zu den Sanitäranlagen. Es ist Viertel nach elf, und morgen kommen die Gäste für das Oktoberfestwochenende. Die Scheinwerfer über dem See blenden auf, der Mond steht über dem Kastanienbaum, und ich denke an den Satz, den mir die Frau vom Landratsamt gesagt hat: *Bis zur Höhe der Aufwendungen.* Ich weiß, ich habe mehr als das bezahlt. Ich habe bezahlt mit den Sonntagen, an denen ich die Bootsstege repariert habe. Mit den Abenden, an denen ich mit Dieter auf der Bank vor der Rezeption saß und wir uns die Parzellen vorstellten, die wir umgestalten wollten. Mit den Nächten, in denen ich wach lag und mich fragte, wie es weitergeht, wenn alles vorbei ist.
Ich schrubbe die Fliesen, bis sie weiß sind. Der Eimer ist schwer, der Lappen klatscht auf den Boden, und ich denke an die junge Frau aus Korbach, die nächste Woche anreist, um sich für drei Nächte zu melden. Drei Nächte, sagt ihre Online-Buchung. Ich hoffe, es regnet nicht.
Es regnet nicht. Als ich mit dem Putzen fertig bin, ist es still auf dem Platz, nur der Hund bellt einmal, weit weg, als hätte er den Marder gesehen, der zwischen den Bäumen die Böschung hinunterläuft. Dann höre ich, wie in der Rezeption die Klingel anschlägt. Nicht die vom Eingangstor, sondern die am Tresen.
Ich stelle den Eimer ab. Ich wische mir die Hände an der Hose ab. Und ich gehe hin.
Vor dem Tresen steht eine Frau, um die fünfzig, einen Schlafsack über dem Arm. „Ich habe für morgen gebucht“, sagt sie. „Aber ich bin schon heute gekommen. Haben Sie Platz?“
Ich sehe die Anmeldeliste an. Es ist die junge Frau aus Korbach, die drei Nächte gebucht hat. Die Buchung beginnt erst morgen. Aber die Frau ist da, und sie trägt ihren Schlafsack, und neben dem Eingangstor steht der Hund, als wüsste er, dass es für sie noch zu früh ist.
Ich schiebe die Liste beiseite. Ich reiche ihr den Kugelschreiber über den Tresen und sage: „Platz vierzehn. Das Windspiel gehört nicht zu uns. Aber es stört auch nicht, wenn Sie gut schlafen können.“











