Mattis ist zweiundzwanzig, und seit vier Monaten redet er von nichts anderem mehr als von Farida. Sechsunddreißig ist sie, hat einen Sohn aus erster Ehe, der bald sieben wird, und arbeitet als Arzthelferin in einer Praxis am Rosenplatz in Bielefeld. Ich habe nichts gegen die Frau. Ich habe etwas gegen das, was mein Mann Torben aus dieser Sache gemacht hat.
Es fing an einem Sonntag im Mai an, beim Mittagessen. Rouladen, Kartoffeln, der übliche Kram. Mattis platzt raus damit, einfach so, zwischen zweitem und drittem Bissen: Er und Farida wollen heiraten, noch dieses Jahr, standesamtlich, klein, nur Familie. Torben legt die Gabel hin. Nicht laut, nicht mal wütend im ersten Moment — nur dieses Geräusch, wenn Metall auf Porzellan trifft, und dann fragt er: "Und der Junge? Der wird dann auch dein Junge, oder wie stellst du dir das vor?"
Mattis sagt ja. Genau so stellt er sich das vor.
Ich muss dazu sagen: Torben hat vor elf Jahren die Autowerkstatt von seinem Vater übernommen, zwei Hebebühnen, drei Angestellte, an der Herforder Straße. Mattis hat dort seine Lehre gemacht, arbeitet seit zwei Jahren fest mit, und alle in der Familie wussten: Irgendwann übernimmt er den Laden. Nie schriftlich, nie notariell — aber gesagt, oft genug, auf jeder Familienfeier.
Nach dem Streit am Sonntag ändert sich der Ton. Nicht offen. Torben sagt nicht: Ich enterbe dich. Er sagt: "Man muss ja nochmal in Ruhe drüber reden, das mit der Werkstatt." Er sagt es zu mir, abends, in der Küche, während im Hintergrund die Lokalzeit läuft und er sein Bier nicht anrührt. Ich frage, was das heißen soll. Er sagt: "Das heißt, ich überlege, ob ich das nicht doch besser an Kevin gebe." Kevin ist unser Neffe, Torbens Schwestersohn, macht gerade seinen Meister in Herford.
Ich habe drei Wochen lang zwischen den beiden gestanden. Mattis kam abends rüber, aß bei mir in der Küche, weil er zu Hause — also bei uns, er wohnt noch im Souterrain — dem Vater nicht mehr unter die Augen treten wollte. Farida hat er dabei kaum erwähnt. Er hat über die Werkstatt geredet. Über die zwei Hebebühnen, die er selbst mit repariert hat letztes Jahr. Über die Kunden, die ihn schon kennen, nicht mehr nur seinen Vater fragen.
Der Punkt, an dem es kippte, war ein Dienstagabend Ende Juni. Torben hatte beim Steuerberater einen Termin gemacht — ohne mir was zu sagen, ohne Mattis was zu sagen — um zu klären, wie man die Werkstatt "sauber" auf Kevin übertragen könnte, noch vor einer eventuellen Heirat, "damit da keine fremde Frau später Ansprüche hat", so hat er's mir erklärt, als hätte Farida schon einen Anwalt engagiert, dabei hatte die Frau nicht mal einen Fuß in unser Haus gesetzt.
Ich saß an dem Abend am Küchentisch, der Herd tickte, wie er das immer macht, wenn er abkühlt, und ich hab ihn gefragt: "Und was ist mit den elf Jahren, in denen der Junge jeden Samstag mit dir unterm Auto lag?" Er hat nicht geantwortet. Er hat den Fernseher lauter gemacht.
Ich habe am nächsten Morgen bei Farida angerufen. Nicht bei Mattis — bei ihr. Wir kannten uns kaum, zweimal Kaffee, mehr nicht. Ich hab sie gefragt, ob sie sich das mit der Hochzeit sicher ist, ehrlich gefragt, ohne Vorwurf. Sie hat nicht lange überlegt. Sie hat gesagt: "Ich hab meinen Sohn zwölf Jahre allein großgezogen, bevor Mattis kam. Ich brauch niemanden, der mich versorgt. Ich will nur, dass Ihr Sohn nicht kaputtgeht an der Sache zwischen euch."
Das saß.
Ich hab Torben am Wochenende den Termin beim Steuerberater vorgehalten. Er hat zuerst geleugnet, dann zugegeben. Und dann kam der Satz, der die Sache für mich entschieden hat: "Ich will nicht, dass die Werkstatt am Ende einer Frau gehört, die uns in fünf Jahren wieder verlässt." Ich hab ihn gefragt, ob er das über mich auch gedacht hätte, vor dreißig Jahren, als ich mit zweiundzwanzig seine Frau wurde und er selbst gerade mal fünfundzwanzig war. Er hat geschwiegen.
Die Übergabe an Kevin war für den 15. August beim Notar in Bielefeld angesetzt, ein Freitagvormittag. Ich habe Torben nicht davon abgehalten, hinzugehen — ich habe ihn stattdessen dorthin begleitet, mit einem Ordner unter dem Arm, den ich selbst zusammengestellt hatte: Kopien der Rechnungen der letzten zwei Jahre, alle mit Mattis' Unterschrift als ausführender Mechaniker, dazu die Reparaturprotokolle der beiden Hebebühnen, handschriftlich, seine Handschrift. Vierzehn Ordnerseiten, die zeigten, wem der Laden inzwischen wirklich gehörte, egal was auf dem Papier stand.
Im Wartezimmer des Notariats, zwischen Kevin, der auf seinem Handy rumtippte, und Torben, der die ganze Zeit auf die Uhr sah, habe ich den Ordner auf den Tisch gelegt und gesagt: "Bevor du unterschreibst, lies das. Und dann ruf Mattis an und frag ihn selbst, was er will — nicht was du für ihn entschieden hast." Torben hat den Ordner nicht angerührt. Er ist trotzdem reingegangen, zum Notar, mit Kevin.
Ich bin nicht mitgegangen. Ich bin nach Hause gefahren, hab Mattis angerufen und ihm gesagt, was gerade passiert.
Fünfzehn Minuten später — der Notartermin muss gerade zu Ende gewesen sein — hat Torben mich zurückgerufen. Keine Übertragung unterschrieben, sagte er. Er sei aus dem Raum gegangen, mitten im Gespräch, hätte dem Notar gesagt, er brauche noch Bedenkzeit. Kevin sei stehen geblieben, verwirrt, die Papiere noch in der Hand des Notars.
Zwei Tage später saßen wir alle vier am Tisch: Torben, ich, Mattis, und zum ersten Mal auch Farida, mit ihrem Sohn Yannick, der die ganze Zeit mit Torbens altem Werkzeugkasten aus der Garage spielte, den Schraubenschlüssel wie ein Schwert in der Hand. Torben hat lange nichts gesagt. Dann hat er zu Mattis gesagt: "Die Werkstatt bleibt, wie sie war — du bekommst sie, wenn ich in Rente gehe, schriftlich, notariell, das mach ich diesmal richtig." Und zu Farida: "Ich hab dich nicht gekannt. Das war mein Fehler, nicht deiner."
Die Hochzeit war im Oktober, standesamtlich, im Rathaus an der Niederwall, zwölf Leute, Currywurst hinterher im Garten. Kevin hat seinen Meisterbrief im Frühjahr gemacht und eine eigene Werkstatt in Herford eröffnet, mit einem kleinen Kredit von Torben, ohne Groll, wie er sagt. Und der Ordner mit den vierzehn Seiten liegt heute noch im Aktenschrank in unserem Flur, ganz unten, neben den alten Steuerunterlagen — Torben hat ihn nie weggeworfen.











